Wir wissen es: Mädchen haben ihre Menarche – also ihre erste Menstruation – immer früher. Auch unsere Autorin* war sich dessen bewusst. Und flippte dennoch aus, als sich die Mens bei ihrer neunjährigen Tochter ankündigte.
Ich bin in meinem Leben zweimal in Panik geraten. Das eine Mal war im malaysischen Urwald, als exakt 23 Blutegel an meinem Körper saugten und ich vor Herrje vom Pfad abkam. Das andere Mal war – nun, eine längere Geschichte.
Sie begann am letzten Tag der Ferien. Meine Tochter packte den Turnsack und stellte fest, dass die Hallenschuhe viel zu klein waren. Innert zweier Wochen waren ihre Pfötchen zu Pranken gewachsen. Ich ahnte, dass die explodierten Füsse etwas zu tun haben könnten mit den diffusen Schmerzen, die meine Tochter in letzter Zeit antönte: die empfindlichen Brustwarzen, das Ziehen im Bauch und das Stechen in den Fersen.
Aber erst, als ich am Abend aus den Augenwinkeln die plötzlich vorhandenen Brüste und den Flaum auf dem Venushügel entdeckte, wurde mir klar, was da am Laufen war. Oder besser: Was da im gestreckten Galopp auf uns zugelaufen kam.
Die Mens. Jetzt?! Schon?!
Vor dem zehnten Geburtstag?! Klar, die Pubertät setzt immer früher ein, das hatte ich x-fach gelesen. Aber ausgerechnet in meiner Familie, einem Nest aus Spätzünderinnen? Bei meiner Tochter, meinem Baby? Das Lego liebte und Bügelperlen-Bilder bastelte.
Unmöglich. Mein verspieltes Mädchen durfte nicht jetzt schon die Mens bekommen. Es sollte sich bitte, bitte erst einmal seinen Lieblingsplatz in der Welt aussuchen und sich dort unbeschwert einnisten dürfen. Danach wäre noch genug Zeit für Binden-Logistik und allfällige Bauchkrämpfe.

Wir werden diesen Beitrag noch aufbretzeln für unsere neue Webseite. Drum sieht momentan nicht alles rund aus. Aber mal ehrlich: gut genug. Danke für deine Geduld!
Beim Gedanken, dass meine Tochter jetzt zur Frau würde, drehte ich durch.
Genauer: Wir alle drehten durch. Mein Mann und ich hatten Angst, unser Baby schon jetzt ganz loslassen zu müssen. Unsere Tochter lag nächtelang wach, weil sie das Unbekannte an ihrem Körper fürchtete und sich stattdessen nur etwas wünschte: wieder so zu sein wie ihre BFFs – schmerzfrei, flach und unbehaart. Und die BFFs tickten aus, weil ihnen aufging, dass Zeiten der Veränderung anstehen, dass das Erwachsenwerden in echt stattfindet und eben nichts forever ist.
Um deutlich zu sein: Aus meiner Tochter wurde die Andere. Ihre auffallenden Brüste waren das Klassengespräch und drohten – kein Witz! – Freundschaften zu zerstören. Wenn ich mich heute an die gewaltige Sprengkraft dieser eigentlich winzigen Brüste erinnere, amüsiere ich mich und wünschte, alle Brüste hätten diese Power. Doch damals war mir nicht nach Lachen zumute.
Ich wollte heulen und Möbel zertrümmern.
Irgendwann, als meine Bauchatmung wieder funktionierte, folgte Aktionismus. Ich sammelte Erfahrungsberichte von Freundinnen, bei deren Töchtern die Mens schon eingesetzt hatte (wenn auch meist viel später). Ich stellte eine Menarche-Box zusammen mit Entspannungsbad, Körperöl, Haarmaske, einigermassen coolen Binden, Kerzen, Schokolade und sehr vielem mehr.
Ich erweiterte unsere ohnehin schon immense Aufklärungsbibliothek um wertvolle Werke. Und ich flocht das Erwachsenwerden bei jeder Gelegenheit so beiläufig wie möglich in unsere Gespräche ein – die Menstruation, Busen, Penis, Samen, Hoden, Vagina, Blut, Sex, Tampons und was mir sonst noch Mensverwandtes in den Sinn kam.







