Ich kann wirklich fast nicht mehr denken. Respektive nur noch an die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen, die sie und der «Spiegel» in diesen Tagen publik gemacht haben.
Dass er jahrelang unter ihrem Namen Fake-Profile erstellt, Männer kontaktiert und pornografisches Material verbreitet haben soll – ohne ihr Wissen, ohne ihr Einverständnis. Ich will nichts davon unnötig wiederholen, man kann den ganzen Gräuel an verschiedenen Orten nachlesen.
Ich bin schockiert. Und gleichermassen sprachlos wie mitteilungsbedürftig. Wie sehr kann ein Mann seine eigene Frau verachten? Und wie hielt sie es aus, so lange nichts zu sagen?
Seit Dezember 2024 soll sie wissen, dass er hinter allem steckte – so zumindest schildert sie es selbst. Dass er «als sie» mit über 30 Männern Online-Affären führte und vermeintliche Vergewaltigungsfantasien teilte.
Ich stelle mir vor, wie sie mit diesem Wissen lange allein war und wusste: Wenn sie es öffentlich macht, nimmt sie ihrem Kind den Vater. Oder zumindest die Illusion eines normalen Vaters. Und nicht nur diesem Kind – Ulmen hat bereits einen Sohn aus erster Ehe.
Und dann stelle ich mir auch vor, wie sie sich immer wieder mit Menschen getroffen haben muss, deren Anspielungen sie nicht verstand – bis sie im Nachhinein begreifen musste, dass diese Menschen glaubten, mit «ihr» noch ganz anderen Kontakt gehabt zu haben.
Ich sage jetzt extra nicht, dass ich mich dafür schäme, dass ich ihn mal lustig und toll fand.
Und ich bin auch einfach traurig. Ich bin traurig, dass ein Mann, wegen welchem ich schon oft herzhaft und laut lachte, sich womöglich als jemand entpuppt, der sich an der Demütigung seiner eigenen Frau aufgeilt.
Und ich sage jetzt extra nicht, dass ich mich dafür schäme, dass ich ihn mal lustig und toll fand. Weil die Scham gehört ganz allein auf seine Seite.
Die Scham muss die Seite wechseln!
Da machen wir jetzt bitte alle mit: Es wird sich nicht mehr geschämt für etwas, an dem ganz klar wer anders die Schuld trägt.
Wie gern schaute ich früher seine Sendung «Mein neuer Freund». Ulmen spielte da verschiedene, sehr anstrengende und nervtötende Charaktere und verbrachte als diese mit einem Kandidaten oder einer Kandidatin ein Wochenende.
Die Kandidatin musste alles ertragen, was diese Person tat oder verlangte, und sie gegenüber Freunden und Eltern als neuen Freund vorstellen. Alles wurde heimlich gefilmt, was nur Ulmen und die Kandidatin wussten. Wenn die Kandidatin die ständigen Provokationen überstand, gab es 10’000 Euro als Gewinn.
«Who wants to fuck my girlfriend?» Hey, war ironisch gemeint, die Sendung. Eine Persiflage auf Trash TV.
Ich bewunderte Ulmen, wie er so schlimme Personen spielen und die Kandidaten in die unerträglichsten Situationen manövrieren konnte, ohne dabei innerlich zu sterben.
Und jetzt frage ich mich: War es vielleicht gar nicht so krass für ihn, weil ihm das gar nicht schwerfiel? Weil Provokation und Grenzüberschreitung für ihn kein Überwinden bedeuteten? Dann hätte er unsere Bewunderung dafür nie gebraucht.
2013 entwickelte Ulmen ein Fernsehformat mit dem Namen «Who wants to fuck my girlfriend?». Da schickten im Regelfall zwei Männer ihre Freundinnen in eindeutige Situationen, um deren «Marktwert» zu testen.
Für jedes Kompliment, jeden Aufriss, den die Freundinnen sammelten, gab es Punkte. Wer am Ende mehr Punkte auf dem Konto hatte, hatte «die Geilste». Aber hey, war ironisch gemeint, die ganze Sendung. Eine Persiflage auf Trash TV.









