Ich bin ehrlich erschrocken, wieviele Frauen hier die Seite der Männer/Väter/Partner völlig ausser Acht lassen oder deren Argumente als nichtig, unwichtig oder gar minderwertig abtun. Es wühlt mich richtig auf, wie einseitig viele Sichtweisen hier sind – nicht alle selbstverständlich, aber die differenzierten Texte regen eben nicht so auf…
So sehr es mir Leid tut, wenn jemand den tiefen Wunsch nach einem (weiteren) Kind in sich trägt und dieser nicht erfüllt wird: Es wird teilweise von Fairness und Gerechtigkeit geschrieben, wo nur egoistische und undifferenzierte Sätze folgen.
Zum Beispiel «Kann man sich nicht mal ein bisschen anstrengen?», «Er ist nur faul», «Die Gründe von meinem Mann sind: überfordert sein – Dafür soll ich meinen Herzenswunsch aufgeben?» oder «Er ist soo stur/rückt keinen Zentimenter von seiner Position ab», «Er hat dich nur aus Faulheit/Angst vor dem Ungewissen unglücklich gemacht» etc.
Die Frauen hingegen schreiben die ganze Zeit «Es ist halt mein Herzenswunsch», «Ich kann diesen Wunsch nicht abstellen» oder «Wenn ich meinen Wunsch nicht erfüllt bekomme, zerbreche ich». BAAAM. Totschlag-«Argument». Was bitte soll ein Mann denn darauf sagen? Das ist in meinen Augen eine halbe Nötigung, Diskussionen nicht mehr möglich. Dass viele Männer dann gar nichts mehr sagen, wundert mich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht ist es ja sein «Herzenswunsch», nur ein (oder zwei oder wieviel auch immer) Kind/er zu haben? Er nennt es einfach anders? Vielleicht zerbricht ER daran (oder eure Beziehung..), wenn noch ein weiteres Kind kommt? Wieso gilt das Argument nicht, dass es ihm zuviel wird? Soll er erst ins Burnout rutschen, dass man ihm glaubt? Was ist so wahnsinnig verwerflich daran, auch noch neben den Kindern ein Leben planen zu wollen (Karriere, Ausbildung, ja auch Hobbies etc.), was mit vielen Kindern so nicht mehr möglich wäre? Nur weil es euer Lebensinhalt ist, mehrere Kinder zu bekommen, muss es ja nicht auch seiner sein – und trotzdem kann er ein Traummann sein? Wann wurde die Anzahl der gewünschten Kinder wichtiger für eure Beziehung als der Charakter des Partners? Wieso ist der, der klar und durch Argumente unterlegt «nein» sagt, egoistischer als die, die immer wieder streitet, um ihren Willen durchzusetzen? Warum gelten Wünsche «seit der Pubertät» mehr als etwas, was in der aktuellen Situation für einen viel mehr Sinn macht (man hat sich ja manchmal auch verändert seit der Pubertät..)?
Diejenigen, die eine Therapie vorschlagen (was ich für sinnvoll erachte), schreiben oft, dass ER dann vielleicht mal von seiner Position abrückt, man SEINE Hintergründe betrachten und dann möglichst zerlegen kann, damit dann aber bitte letztlich der Wunsch erfüllt wird. Vielleicht sind es auch sehr viel mehr eigene Ängste davor, kein weiteres Kind zu bekommen, die es zu ergründen gilt? Ich habe den Eindruck, dass das für viele keine Option ist.
Auch die Sätze wie «Meine Tochter hat 20min geweint, weil sie sich so sehr ein Geschwisterchen wünscht» – ja, Kinder weinen manchmal 20 Minuten, aber auch wenn sie sich ein Einhorn wünschen oder in Disneyland leben möchten oder jetzt sofort erwachsen sein wollen. Kinder werden verstehen, wenn es kein Geschwisterchen gibt, auch wenn es schmerzt. Die eignenen Wünsche und Erfahrungen als Einzel- oder Geschwisterkind werden meines Erachtens viel mehr auf die eigenen Kinder projiziert als einem bewusst ist. Es gibt oft genug medizinische Gründe, kein weiteres Kind bekommen zu können, da wird ja auch nicht haufenweise adoptiert, um den Geschwisterwunsch des 1. Kindes erfüllen zu können.
Es ist wahnsinnig traurig, wieviele ihre aktuelle Beziehung und bestehende Familie aufgeben würden für diesen Wunsch, der ja in eine allfälligen neuen Beziehung noch lang nicht Realität wäre. Ist denn Patchwork die bessere Variante? Oder geht es nur um die reine Anzahl der Kinder? Was wird allenfalls in eine weitere Schwangerschaft/ein weiteres Kind projiziert, das wichtiger sein kann als Stabilität der jetzigen Familie? Muss man dem 1. Kind irgendwann mal erklären, dass man sich vom Papa getrennt hat und jetzt alleinerziehend ist, weil der eben kein weiteres Kind wollte, was jetzt zwar nicht geklappt hat, aber man hats zumindest versucht? Ich schreibe sarkastisch, aber mir scheint, vieles ist nicht zu Ende überlegt.
Ich dachte immer, Kinderplanung sei eine Gemeinschaftssache, die nebst den persönlichen Wünschen durchaus mal abgewogen, hin und her diskutiert und dann zusammen entschieden werden sollte. Die Partnerschaft scheint mir hier oft das Mittel zum (Kinder-)Zweck und nicht um des Partners willen zu existieren, echt schade. Ich wünsche allen Klarheit – sowohl in Bezug auf den Kinderwunsch als auch alles, was dahinter steht. Versucht euch in die Situation eurer Partner zu versetzen und macht euch klar, was eure wirklichen Beweggründe sind – für Kinder, für oder gegen eine Partnerschaft, für eure jetzige oder für eine neue Familie. Ganz viel Liebe für euch alle! <3