«Ich glaube, es zahnt schon», meinte meine stillende Frau vor ein paar Tagen mit Angsttränen in den Augen. Eine kurze Kontrolluntersuchung mit der Taschenlampe zeigte: falscher Alarm. Eh ja, Tertius ist auch erst sechs Wochen alt.
Aber überraschen täte es mich nicht, wenn der Zahnschmelz bald aus des Babys Antlitz blitzen würde. Auch Tertiens Geschwister zahnten bereits kurz nach der Geburt. Und sie tun es immer noch.
Der Brecht hebelte sich diese Woche gleich drei Backenzähne aus der Kauleiste, Beebers verlor derweil im Schlaf einen Schneidezahn. Die Nummer 82, für die Fachkundigen unter euch.
In meinen dunkelsten Stunden liebäugle ich mit einem Hausbrand, der diese Ekelschatulle mit Haaren, Zehennägeln und allen bisher verlorenen Zähnen vernichtet.
Die Zahnfee kommt bei uns nicht. Zumindest nicht die spendable, die einen stattlichen Batzen unters Kissen legt. Eher die genervte, die in der Nacht mit der Flachzange nachhilft, wenn der Zahn schon seit Tagen nur noch an einem Faden hängt und sich das Kind aus Angst vor Blut keine feste Nahrung und kein Zahnbürstchen mehr ins Maul führen kann.
Zusätzlich reinigt unsere Zahnfee anschliessend das abgestossene weisse Gold für das Kabinett des Grauens, das sich beide Kinder in einem kleinen Kästchen aus ihren abgefallenen Körperresten zusammenarchivieren. Haare, Zehennägel und eben auch alle bisher verlorenen Zähne.
In meinen dunkelsten Stunden liebäugle ich mit einem Hausbrand, der diese Ekelschatulle vernichtet, aber die Kinder würden sie vermutlich als ihren «einzigen zu rettenden Gegenstand» auserwählen. Ach, ich schweife ab.
(Sch)Windelerregende Hochrechnungen
156 neue Zähne dürfen wir mit drei Kindern insgesamt begrüssen und im besten Fall exakt 60 davon wieder verabschieden. 216 zahnbedingte Einzelereignisse, die von mehr oder weniger Drama begleitet werden. Mit Tertius haben wir auf einen Schlag gleich 72 zusätzliche solche Ereignisse ins Haus geholt.
Man muss sich manchmal mit Zahlen vergegenwärtigen, wie folgenschwer so ein Kinderwunsch ist. «Ein Drittes wäre noch härzig» bedeutet auch geschätzte 6500 bis 11’200 Windeln, die wir in den kommenden Monaten wechseln werden – einige an unmöglichen Orten, unter unwürdigen Bedingungen und wüstem innerlichem Fluchen.
Diese Windeln allein werden etwa 1500 Franken kosten. Die nötige Therapie, um das Erlebte wieder zu vergessen, ein Mehrfaches davon.
Ja, Kinder sind ein höllischer Aufwand. Aber nein, das wird hier für einmal kein Jammerbeitrag. Ich werde mich nicht wie noch vor Tertië Geburt unsicher fragen, ob der Entscheid fürs dritte Kind wirklich der richtige war. Die Unsicherheit ist restlos verflogen.










