Gutes Thema – da mag ich auch mitmischen und der heiligen Kuh gerne ihren Heiligenschein wieder nehmen. Eigentlich schon mit dem ersten Absatz im Kontra zu Andrea – denn reicht wirklich ein „okay“ wenn es um die Schuljahre unserer Kinder geht? Mir nicht! Und dabei haben sich bei meinen Kindern noch gar keine Schuljahre angesammelt, nur zwei Kindergartenjahre. Und obwohl diese schon „okay“ sind, wünsch ich meinen Kindern, dass sie Morgens (irgendwann eher nach 6:50) mit strahlenden Augen und lachendem Herzen den Weg zu ihrer Schule gehen und sich nicht schon auf die Pause und den freien Nachmittag freuen oder gar Angst vor Bewertung und Prüfung haben…
Die richtige Richtung ist ja schon da, du schreibst es selbst: „Altersdurchmischtes Lernen in kleinen Gruppen, betreut von mehreren Lehrpersonen, dazu integrative Förderung und viel Raum für Eigenverantwortung und Kreativität“. 2013 hat übrigens die alternative Scuola Vivante in Buchs den Schweizer Schulpreis bekommen – auch dort stehen Eigenverantwortung, Altersdurchmischung und Kreativität ganz oben.
Es geht nämlich. Ja wirklich. Nachdem ich mich lange und ausführlich mit dem Thema beschäftigt habe frage ich mich eigentlich nur noch, warum es nicht inzwischen alle begriffen haben. Es muss ja in den Volksschulen nicht direkt alles auf den Kopf gestellt werden – es würde erstmal reichen wenn es keinen Frontalunterricht, keine Benotung und keine Hausaufgaben mehr gäbe :) Kinder nach Alter zu trennen ist natürlich sowieso sinnlos und Themenvorgabe im 45 Minuten Rhythmus auch komplett überholt – aber der Lehrplan ist ansonsten nicht so schlecht, gelernt werden kann nämlich auch ohne dieses uralte Konstrukt unserer Schule. Nur müsste dann eingesehen werden, dass es halt nicht so sein muss wie es ist. Und es bräuchte Energie und Mut und Engagement.
Aber zurück – warum soll Lernen verbunden mit Prüfungen und Benotung so eine wichtige Erfahrung für die Kinder sein? Warum sollen Kinder lernen müssen, wie sie mit Aufgaben die keinen Sinn machen umgehen sollen, oder Strategien finden wie sie diese am besten bewerkstelligen? Warum soll Kindern schon so früh wie möglich beigebracht werden, dass das Leben nur unter Druck funktioniert und warum muss überhaupt ein Kind funktionieren? Warum gibt es die Meinung, dass Kinder, die in Freiheit wachsen und von Beginn an in ihrem selbstgewählten Lernen unterstützt werden und dafür keine Bewertung brauchen, schwächer seien als solche, die nur lernen, weil sie es müssen?
Ist es nicht viel logischer, dass gerade die Kinder, die etwas aus sich heraus und gerne machen zu den Erwachsenen werden, die sich ihren Beruf ebenfalls selbst wählen und jedes Hindernis wunderbar bewältigen, weil sie eben ihr ganzes Leben schon Strategien gefunden haben wie sie sich die Welt am besten aneignen und Hindernisse zu nehmen wissen? Ein Kind das Laufen lernt kommt auch nicht an Hindernissen und Rückschlägen vorbei, es lässt sich aber nicht entmutigen und braucht auch keinen Lehrer. Es braucht nur die Umgebung in der es sich entfalten darf und wieder aufstehen kann, damit es für die nächsten Schritte gerüstet ist.
Die Meinung, dass Kinder den Weg des geringsten Widerstandes wählen kann ich auch nicht teilen. Schaut den Kindern mal zu wenn sie etwas lernen. Sie wählen oft 100 Umwege (für uns sehen sie zumindest nach Umwegen aus und wie oft würde ich so gerne sagen: halt schau mal, so ists doch viel einfacher) – und mit diesen Umwegen kommen sie ans Ziel und haben daraus so viel gelernt. Nein, einfache Wege gehen sie erst dann, wenn sie von Erwachsenen hören, welchen Weg sie gehen sollen.
Und ja, möglich dass ihnen irgendwann jemand sagt was sie zu tun haben – und dann werden sie selbst entscheiden ob das für sie stimmig ist oder nicht. Ob sie sich damit anfreunden können oder nicht. Denn es sind selbstbestimmte, kreative, und eigenverantwortliche Menschen geworden, keine Jein-Sager eben.
Die Welt des selbständigen Lernens ist keine aus Zuckerguss. Sie ist eine in der die Kinder ihren Weg wählen – den Weg der sie (hoffentlich) glücklich macht. Es ist kein vorbereiteter und es ist kein vorgegangener. Es ist ihr ganz persönlicher. Und ich finde, jedes Kind hat das Recht dazu, genau diesen beschreiten zu dürfen.
Einzig beim letzten Punkt stimme ich dir voll zu – die Lernumgebung der Kinder darf nicht zum elitären Gut werden. Meine Hoffnung dazu ist, dass die Volksschulen bei den ganzen aufkeimenden und wachsenden Privatschulen mutig genug sind diese nicht mehr als Gegner zu sehen, sondern als Hilfe um sich selbst im innersten zu wandeln und es irgendwann eine Vielfalt an Bildungsmöglichkeiten für alle Kinder gibt die auch für alle frei wählbar ist.
Und um meine Aussagen noch zu untermauern und einfach sowieso noch zwei Filmempfehlungen für alle interessierten zu geben die sie noch nicht kennen: „Alphabet – Angst oder Liebe“ und „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“. Anschauen!