Im Sommer 2018 ergab sich der glückliche Zufall, dass mein Mann und ich relativ kurzfristig die Möglichkeit hatten, für zwei Monate unbezahlten Urlaub zu nehmen. Für uns war klar, dass wir die Zeit nutzen wollten, um zusammen mit unseren beiden Töchtern zu verreisen.
Es fühlte sich grossartig an. Wann hat man schon mal diese Übereinstimmung, dass beide Elternteile zur gleichen Zeit frei machen können? Mit dieser «once in a lifetime»-Stimmung fingen wir an zu überlegen, wo es hingehen könnte, schrieben Listen und sprangen gedanklich von einem Kontinent zum nächsten.
Stopp, da war doch noch was? Schule! Dispensation!
Am liebsten hätten wir gleich alle Flüge gebucht und die Koffer gepackt. Wäre da nicht die Sache mit der Schulpflicht gewesen:
Uns war bewusst, dass unser Vorhaben komplett vom Wohlwollen der Schule abhängig war.
Unsere Ausgangslage war die folgende: Eine Tochter in der dritten Klasse (8 Jahre) und an drei Tagen im Schulhort (Mittagstisch und/oder Nachmittagsbetreuung), die jüngere Tochter (3 Jahre) an drei Tagen in einer öffentlichen Kita.
Wir wussten bereits, dass unsere Schule gegenüber ausserordentlichen Auslandreisen sehr aufgeschlossen ist und zumindest einmal pro Klassenzug einem Dispensationsgesuch pro Familie offen gegenüber steht. Zudem kannten wir einige Familien, bei denen längere Dispensationen ohne grosses Wenn und Aber bewilligt worden waren. Wir waren also guter Dinge.
Das Dispensationsgesuch einreichen – so geht’s:
Jede Schule handhabt die Dispensation etwas anders. Ich empfehle daher, auf jeden Fall zuerst auf der Schulwebsite die jeweiligen Bestimmungen nachzulesen. Da findet man die Regeln für begründete Absenzen und meist auch noch einen Auszug aus der Volksschulverordnung.
Wir begründeten unser Gesuch mit einem aussergewöhnlichen Anlass im persönlichen Umfeld unserer Tochter. Das Wichtigste ist auf jeden Fall, das Gesuch an die Klassenlehrperson und die zuständige Schulleitung zu richten und vorab persönlich oder per Telefon über das Vorhaben zu informieren. (Eine Vorlage für ein Dispensationsgesuch findet ihr am Ende dieses Textes.)
Da wir unser Dispensationsgesuch sehr kurzfristig eingereicht hatten und etwas unter Druck standen, bekamen wir von den Lehrpersonen innerhalb von zwei Tagen das Okay. Und nicht nur das:
Die Lehrpersonen beglückwünschten uns sogar zu unserem Entscheid.
Die Schulleitung gab uns innerhalb einer Woche grünes Licht in Form eines offiziellen Schreibens, welches wir dann auch gleich an die Lehrperson und an den Schulhort weitergeleitet haben.
Die Kita und die Subventionen
In der Kita freuten sich alle über unser Reiseglück. Da wir weniger als zwei Monate verreisten, genügte eine Absprache zwischen uns und der Kita-Leitung.
Wichtig zu wissen für alle, die längere Auszeiten planen und einen subventionierten Kitaplatz haben: Die Subventionen entfallen ab der 8. Woche, also nach zwei Monaten Ferienabsenz, und ab diesem Zeitpunkt wird nach der Rückkehr der volle Tagessatz verrechnet.
Der Antrag könnte dann erst im Folgejahr neu eingereicht werden. Im Zweifelsfall empfehle ich, kurz Rücksprache mit dem Sozialdepartement zu halten und mit der Kita abzusprechen, wie lange der Platz für das Kind freigehalten wird.
Schulstoff einpacken
Unsere Tochter – wir nennen sie Maus – packte nach Absprache mit der Lehrperson zwei Mathehefte, ein Deutschheft und ein leeres Buch, das sie in Tagebuchform mit ihren Reiseberichten füllen sollte, in ihren Rucksack.
Das Schulmaterial war sehr übersichtlich und fiel nicht gross ins Gewicht.
Wir Eltern legten aber von Anfang an Wert darauf, dass sie ihr Tagebuch so regelmässig wie möglich führen würde und mindestens jeden zweiten Tag ihre Einträge machte.
Der Druck war da auch nicht sehr gross, weil es ihr Spass machte, das Erlebte zu zeichnen, neue Englischvokabeln aufzuschreiben, Eintrittskarten einzukleben oder neu entdeckte Pflanzen zu dokumentieren.

Wenn man wie wir herumreist (wir waren maximal eine Woche am gleichen Ort), sollte man den Hausaufgaben genügend Zeit und Raum einräumen.
Durch die Zeitverschiebung, den neuen Rhythmus, das unregelmässige Unterwegssein und die vielen neuen Eindrücke, teilten wir die Hausaufgaben in gut machbare Blöcke ein, die Maus zwischendurch und bei guter Gelegenheit erledigen konnte. Wir versuchten, das Frustpotential auf das Geringste zu reduzieren. Und wenn wir merkten, dass es gar nicht lief, liessen wir es auch einfach bleiben.
Hausaufgaben unterwegs: Manchmal auch ein Krampf
Natürlich hatten wir unsere Krämpfe, sie überhaupt keinen Bock auf Mathe, wir keine Lust auf Diskussionen und auch nicht darauf, dass sie sich mit Blumen sammeln, Kreide malen oder dem Arrangieren ihrer Hausaufgaben mit Blumendeko ablenkte.
Wir fanden es auch nicht fair, als fieseste und gemeinste Eltern der Welt bezeichnet zu werden, obwohl wir am anderen Ende der Welt an einem blau schimmernden Pool sassen. Maus litt vor allem darunter, dass ihre kleine Schwester Mips nichts machen musste, aber sie schon, was ja auch nachvollziehbar war.














